Zum Tod von Hermann Naber

Hermann Naber verstorben

(c)SWR/WDR Klaus Görgen
26.01.12

Die Deutsche Akademie der Darstellenden Künste trauert um den langjährigen SWR-Hörspielchef und Mitbegründer des Baden-Badener Fernsehfilmfestivals

 

von Karl-Otto Saur

Mitte der 1980er Jahre hatte der Autor Ror Wolf die Idee, über das Leben des amerikanischen Musikers Bix Beiderbecke ein Hörspiel zu schreiben. Ein Hörspiel, das der Musik und dem Leben Beiderbeckes gleichermaßen gerecht werden sollte. Als Christoph Buggert, der damals Hörspieldramaturg des Hessischen Rundfunks war, das Manuskript erhielt, wollte er es sofort für seinen Sender erwerben. Doch Wolf sagte ab: Sein Kollege vom Südwestfunk habe ihm 2000.- DM Vorschuss überwiesen für sein nächstes Hörspiel. Später musste Buggert erfahren, dass diese Großzügigkeit nicht nur Ror Wolf gegolten hatte. Rund 20 Autoren waren in die ungewöhnliche Vorschussregelung des SWF gekommen. Das brachte dem Sender einen unschätzbaren Programm-Vorteil für die folgenden Jahre.

Der Urheber dieser Idee hieß Hermann Naber. Er war nach einer ersten Station als Dramaturg beim Hessischen Rundfunk 1965 zum SWF als Hörspielchef nach Baden-Baden gekommen. Und blieb es – dann beim fusionierten SWR – bis zum Jahr 1998. In diesen mehr als 30 Jahren blieb er seinem Genre treu. Besser gesagt, er blieb ihm treu, indem er es auch und vor allem änderte – gerade im Wissen um die Tradition dieser ersten orginären Radioform. An vielen Produktionen, die mit dem Hörspielpreis der Kriegsblinden ausgezeichnet wurden, war er beteiligt. Und gleichzeitig ging er immer wieder neue Wege. Der Karl-Szuka-.Preis, der andere große Hörspielpreis, der sich vor allem den experimentellen Produktionen widmete, wäre ohne ihn nie zu der Bedeutung gelangt, die er heute besitzt. Doch sein Engagement beschränkte sich nicht auf das Hörspiel. An dieser Stelle muss ich persönlich werden. Da meine Eltern erst 1962 ihren ersten Fernseher bekamen, war für mich als Jugendlicher das Radio lange Zeit das Fenster zur Welt, auch und vor allem am Dienstagabend, wenn der Bayerische Rundfunk sein Hörspiel der Woche sendete. Auch später bemühte ich mich, das Hörspiel im Ohr zu behalten, und so waren mir über die Jahre viele Namen von Hörspielautoren, Dramaturgen oder Regisseure ein Begriff. Einer von ihnen war Hermann Naber. Intensiv kennen gelernt habe ich ihn erst im Jahr 2000, als ich die Leitung des Fernsehfilm-Festivals Baden-Baden übertragen bekommen habe. Bis dahin hatte ich das Festival immer mit dem Namen von Hans Abich verbunden. Erst als ich mich näher mit der Geschichte beschäftigte, erfuhr ich, dass Gertraud Linz, die spätere zweite Ehefrau von Hans Abich, die Baden-Badener Stadträtin Lore Naber und Ihr Mann Hermann einen gleichwertig großen Anteil an der Gründung dieses Festivals gehabt hatten. Hermann Naber , als langjähriges Mitglied der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste, hatte als erster die Idee gehabt, dem schon 25 Jahre existierenden Fernsehpreis dieser Akademie einen neuen und angemessenen Platz zu geben. Und so begannen die Badener-Baden Tage des Fernsehspiels 1989 in der Kurstadt. Was heute das Fernsehfilm-Festival Baden-Baden ist, ist zu einem ganz großen Teil Hermann Naber zu verdanken. Er war es, der in der Akademie an die Anfänge und vor allem an die Grundsätze erinnerte. Er war es, der auf eine wunderbare Weise Pragmatismus mit Anspruch verband. Er war es, der als gelernter Genießer (zusammen mit seiner Frau Lore) ein wunderbarer Gastgeber war. Auf der Naberschen Terrasse hatte man den besten Blick über das Hügelland von Baden-Baden und gleichzeitig erspähte man auf dem Tisch den besten Wein der Gegend. Er war es aber auch, der – wenn einmal ein Gewitter aufzog – mit leichter Hand die Wolken wegschieben konnte. Er hatte die liebenswerte Gabe zu helfen, ohne dass es einem sofort bewusst wurde. Hermann Naber ist mit 78 Jahren in Baden-Baden gestorben. Wir haben einen Mann des Geistes, der Literatur und des Kulturradios verloren, wie es nur wenige gibt. Wir trauern um einen großen Mann und einen stillen Helfer – und ich trauere um einen guten Freund.

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