Hörspiel des Monats/Jahres 2011

Hörspiel des Jahres 2011

zum Hörspiel 2011 des Jahres wurde gewählt:

Vier Lehrmeister

von Liao Yiwu
Übersetzung aus dem Chinesischen: Hans Peter Hoffmann, Brigitte Höhenrieder, Martina Hasse
Komposition und Realisation: Liao Yiwu / Hörspielbearbeitung: Hilke Veth
Regie: Andrea Getto
Hörspielbearbeitung: Hilke Veth
Erstsendedatum: 28.08.2011
Länge 69'43''
Produktion: NDR 2011

Die Begründung der Jury:

Schon in seinem deutschsprachigen Debütwerk »Fräulein Hallo und der Bauernkaiser. Chinas Gesellschaft von unten« (2009) gelang Liao Yiwu eine grandiose Verdichtung. Er fokussierte in seinen Gesprächen und Interviews den Blick auf die Marginalisierten, die Unerwünschten und Ausgestoßenen Chinas und ermöglichte so eine neue, präzisere Perspektive auf ein Land, in dem eine rasante Modernisierung und Industrialisierung gerade nicht einhergehen mit politischer Freiheit und sozialer Gerechtigkeit.
Liao Yiwus Hörspiel »Vier Lehrmeister« geht noch einen Schritt weiter: Es präsentiert keine Ausschnitte aus dem Buch, sondern verknüpft exemplarische Geschichten mit der Biographie des Autors. Der Chronist des Abseits und des zähen Überlebenskampfes gehört selbst zu den Unerwünschten. Dynamisch und dennoch sehr ruhig, unaufgeregt, aber nicht gelassen, ganz auf die Dramatik, die schon im Erzählstoff selbst begründet ist, vertrauend verknüpft er vier Einzelschicksale mit den Lektionen, die ihm seine vier großen Lehrmeister erteilten. Das sind: der Hunger; die Schande, ausgeschlossen zu sein und zu den Geächteten zu zählen; die Obdachlosigkeit; schließlich das Gefängnis.
Aus diesen Positionen des Abseitigen – eines Ortes, der tatsächlich im Zentrum der modernen chinesischen Gesellschaft liegt – gelingen ihm höchst individuelle und dennoch (deswegen?) generelle Aussagen. Liao Yiwu erzählt ohne Zorn, ohne Wut, seine Montagen sind nicht plakativ. Gerade in der stillen, in sich ruhenden Dramaturgie wird der Abgrund der gesellschaftlichen Entfremdung offenbar.
»Vier Lehrmeister« ist ein hartes, überaus konzentriertes, reduziertes, im besten Sinne karges Hörspiel, dessen überlegt eingesetzte künstlerische Mittel dazu verführen, auf jede Nuance zu achten. Es entwickelt in seinem weit gespannten Rhythmus einen ungeheuren Sog – bis man meint, die chinesisch vorgetragenen Gedichte Liao Yiwus unmittelbar zu verstehen.

s. Hörspiel des Monats August

 

Dezember 2011

Tim Staffel
Das Verlorene Paradies
von Tim Staffel
Komposition: Alexandra Holtsch
Sounddesign: Jochen Jezussek
Redaktion: Martina Müller-Wallraf
Erstsendedatum: 17.12.2011
Länge 53'30''
Produktion: WDR 2011

Die Begründung der Jury:

„Das verlorene Paradies“ ist eine Dreiecksgeschichte, die von der Hölle der Einsamkeit erzählt. Der junge Halim lebt auf den Straßen einer Großstadt, wo er in der Rangordnung ganz unten steht. Völlig am Ende, als Bettler beschimpft und vertrieben, der Willkür seines Freiers Simon ausgeliefert, begibt er sich auf eine Pilgerreise mit nichts als John Miltons „Paradise Lost“ im Gepäck. Miltons Verse dienen ihm als eine Art Leitfaden bei dem Versuch, sich das eigene Gefallen-Sein zu erklären und im Streit mit Gott dessen Ordnung der Welt zu begreifen. Seine Hoffnung ist, am Ende ein anderer zu sein und sich selbst vergeben zu können. Er landet vor den Toren der Stadt im Garten von Lynn, die ihn spontan aufnimmt, mit ihm einen Tag am See verbringt und ihn einlädt, zu bleiben. Die zarte Annäherung zwischen Halim und der kinderlosen Frau, die sich vor ihrem Mann und dem Scheitern ihres Lebensentwurfs als Künstlerin aufs Land zurückgezogen hat, findet ein jähes Ende, als Lynns Mann zu Besuch kommt. Nicht ahnend, dass Simon ein sexuelles Verhältnis mit Halim hat, schickt sie die beiden auf einen Ausflug in den Wald. Es kommt zum Kampf zwischen den Männern, in dem Simon von Halim verletzt wird und stirbt. Der Höllensturz des gefallenen Engels war nicht aufzuhalten. In poetisch überhöhten und mythisch aufgeladenen Bildern, in der Spannung zwischen Tag und Nacht, Wildnis und Zivilisation, beschwört Staffel mit prägnanten Sprechern und unterstützt durch die Komposition von Alexandra Holtsch die Verlorenheit in einer Welt der unversöhnlichen Gegensätze, einer Welt ohne Liebe herauf. Zum herausragenden Hörerlebnis wird das Hörspiel durch ein außerordentlich plastisches, hyperrealistisches Sounddesign (Jochen Jezussek), das nicht nur Aufnahmen von Alltagsgeräuschen an Originalschauplätzen in Innen- und Außenräumen, von Vogel- und anderen Tierstimmen, sondern vor allem auch des Atems als Ausdruck der menschlichen Leiblichkeit und Sterblichkeit zum entscheidenden Gestaltungselement macht.

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November 2011

ALexander Kluge (c)Markus Kirchgässner
Die Pranke der Natur (und wir Menschen) / Das Erdbeben von japan, das die Welt bewegte, und das Zeichenvon Tschernobyl (2 Teile)
von Alexander Kluge
Bearbeitung und Regie: Karl Bruckmaier
Komposition: Gustav, Ikue Mori, Alva Noto
Dramaturgie: Katarina Agathos / Herbert Kapfer
Erstsendedatum: 26.11.2011
Länge 53'50'' / 51'49''
Produktion: BR 2011

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Oktober 2011

Agnieszka Lessmann; Foto privat
MÖRDER
von Agnieszka Lessmann
Komposition: Gerd Bessler
Regie/Realisation: Christine Nagel
Erstsendedatum: 30.10.2011
Länge 67'40''
Produktion: DLF/SWR 2011

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September 2011

Philine Vehlhagen
Folge dem Schein
von Philine Velhagen
Musik: Gregor Schwellenbach
Realisation: Philine Velhagen
Redaktion: Isabel Platthaus
Erstsendedatum: 26.09.2011
Länge 53'14''
Produktion: WDR 2011

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August 2011

Liao Yiwu
Vier Lehrmeister
von Liao Yiwu
Übersetzung aus dem Chinesischen: Hans Peter Hoffmann, Brigitte Höhenrieder, Martina Hasse
Komposition und Realisation: Liao Yiwu / Hörspielbearbeitung: Hilke Veth
Regie: Andrea Getto
Hörspielbearbeitung: Hilke Veth
Erstsendedatum: 28.08.2011
Länge 69'43''
Produktion: NDR 2011

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Juli 2011

Ergo Phizmiz
Disappearing Boxes - Meine Operngeschichte
von Ergo Phizmiz
Realisation: Ergo Phizmiz
Redaktion: Markus Heuger
Erstsendedatum: 01.07.2011
Länge 50'
Produktion: WDR 2011

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Juni 2011

Raoul Schrott, (C) privat
Die Blüte des nackten Körpers
Musikalisches Spiel nach Liebeslyrik aus dem alten Ägypten von Raoul Schrott
Einrichtung / Komposition / Realisation: Hermann Kretzschmar/ Catherine Milliken / Dietmar Wiesner
Erstsendung: 03.06.2011
Länge 44‘23“
Produktion: SWR/hr 2011

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Mai 2011

Im Bild versinken
Giuseppe Zigaina und Pier Paolo Pasolini
von Klaudia Ruschkowski und Giuseppe Maio
Regie: Giuseppe Maio
Erstsendung: 29.05.2011
Länge 88‘02“
Produktion: Deutschlandradio Kultur 2011

 

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April 2011

Oliver Wnuk
Der Aufstieg und Fall des Siggi S.
Hörspiel in alemannischer Mundart von Oliver Wnuk
Regie: Mark Ginzler
Musik: Martin Bezzola
Erstsendung: 09.04.2011
Länge 60‘40“
Produktion: SWR Studio Freiburg 2011

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März 2011

Veit und Thomas Harlan
Veit
von Thomas Harlan
Regie: Bernhard Jugel
Erstsendung: 25.03.2011
Länge 55‘15“
Produktion: BR 2011

Februar 2011

Oliver Sturm
Gnosis oder Die Moabiter
von Oliver Sturm
Regie: Oliver Sturm
Redaktion: Ursula Ruppel
Erstsendung: 09.02.2011
Länge 68‘31“
Produktion: hr/DLF 2011

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Januar 2011

Leopold von Verschuer
publikumsberatung
von Kathrin Röggla/ Leopold von Verschuer
Regie: Leopold von Verschuer
Komposition: Franz Tröger
Dramaturgie: Katarina Agathos
Erstsendung: 16.01.2011
Länge 56‘53“
Produktion: BR 2011

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